Goethe-Zertifikat C1 · Niveau C1
Lektion 18: Literarischer Text — Ibrahimas Sonntage
📌 Lesen (Compréhension écrite)Cours
Zwischen den Aromen
Ibrahima saß am schweren Eichentisch seiner Berliner Wohnung, während der Duft von frisch zubereitetem Maafe durch die Räume zog. Es war ein bizarrer Kontrast: draußen der graue Berliner Nieselregen, drinnen die olfaktorische Essenz seiner Kindheit in Cotonou. Er war nun 'angekommen', wie es in den offiziellen Broschüren hieß. Ein erfolgreicher Ingenieur, dessen Deutsch so geschliffen war, dass man ihn am Telefon oft für einen Hannoveraner hielt.
Doch in Momenten wie diesen spürte er die Zerrissenheit. Es war kein Schmerz, eher eine sanfte Entfremdung. Er gehörte hierher, zweifellos, doch sein Herz schlug in einem polyphonen Rhythmus. Wenn er mit seinen Eltern skypte, stolperte er manchmal über französische Begriffe, die ihm im Deutschen präziser erschienen – und umgekehrt. Diese sprachliche Hybridität war seine neue Heimat geworden. Er war kein Gast mehr, aber auch kein Teil der homogenen Masse. Er war die Brücke, die ständig unter der Last zweier Ufer erzitterte, aber hielt.
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1. Was bedeutet die Aussage, man halte ihn am Telefon für einen 'Hannoveraner'?
2. Wie beschreibt der Text Ibrahimas Gefühl der 'Zerrissenheit'?
3. Was symbolisiert die 'Brücke' am Ende des Textes?
4. Welcher Kontrast wird zu Beginn des Textes beschrieben?
5. Welches sprachliche Phänomen wird bei Ibrahimas Gesprächen mit seinen Eltern deutlich?